Stufenmodell Partizipation

basiert auf: Wright M.T. / Block M./ Unger H.v. (2007): Stufen der Partizipation in der Gesundheitsförderung: Ein Modell zur Beurteilung von Beteiligung. In: Infodienst für Gesundheitsförderung 3 , S. 4f. Online:http://www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/partizipation/stufen-der-partizipation.html [Datum des Zugriffs: 09.07.2014]

Zeitumfang:
Mindestens 30 Minuten

Material:
Stift und Papier

Beschreibung: Das Model ist ein sehr gut geeignetes Reflexionsinstrument der Mitbestimmung in der eigenen Einrichtung. Rechte der Mitbestimmung können nach Wright et al. in neun verschiedenen Stufen bzw. Qualitäten zugeordnet werden:

Wright

Stufenmodel nach Wright et al.

Beispiele für das Stufenmodel in der Jugendarbeit

Stufe 1: Instrumentalisierung

Entscheidungen werden außerhalb der Sichtweise der Jugendlichen getroffen und die Interessen der MitarbeiterInnen stehen im Mittelpunkt. Beispiel: Renovierungsaktion auf einem lokalen Spielplatz, da die Einrichtung positive Öffentlichkeitsarbeit betreiben möchte.

Stufe 2: Anweisung

Die MitarbeiterInnen bestimmen inhaltliche Schwerpunkte anhand der eigenen profesionellen Einschätzung der Lebenslagen junger Menschen, etwa aufgrund von Lebensweltanalysen und Sozialraumanalysen. Projekte und Aktionen werden entsprechend für die Jugendlichen geplant. Beispiel: Einwöchiges Handyverbot in der Einrichtung, da die MitarbeiterInnen davon ausgehen, dass der diekte Umgang der Jugendlichen untereinander unter häufiger Handynutzung leidet.

Stufe 3: Information

Auch hier steht die Einschätzung der Mitarbeiter im Vordergund. Es wird jedoch Wert darauf gelegt, den Jugendlichen zu erklären warum etwas geschieht, ohne ihnen jedoch ein Entscheidungsmoment einzuräumen. Beispiel: Handwerkliche Angebote für Mädchen oder Koch- und Putztag für Jungs mit entsprechender Thematisierung gesellschaftliche Rollenbilder.

Stufe 4: Anhörung

Die MitarbeiterInnen interessieren sich für die Sichtweise der Jugendlichen. Sie werden angehört, haben jedoch keine Kontrolle darüber, inwiefern ihre Sichtweise Beachtung findet. Beispiel: Erfassung von Ausflugswünschen der Jugendlichen, woraufhin ein Ausflugswunsch von den MitarbeiterInnen ausgewählt wird.

Stufe 5: Einbeziehung

Die MitarbeiterInnen fragen gezielt nach der Ansicht einzelner Jugendlicher. Dies nimmt Einfluss auf Planungs- und Entscheidungsprozesse, ist jedoch nicht verbindlich. Die MitarbeiterInnen entscheiden immer noch selbst. Beislpiel: Bei der Planung der Unterkunft für eine Freizeitmaßnahme, können zufällig anwesende Jugendliche die Unterkunft mitbestimmen.

Stufe 6: Mitbestimmung

Die MitarbeiterInnen halten bestimmte Aspekte bewusst offen, um sie gemeinsam mit Jugendlichen auszuhandeln. Es gibt diesbezüglich gemeinsame Verhandlungen und Aushandlungsprozesse. Die Jugendlichen haben ein vorher festgelegtes Mitspracherecht, jedoch keine alleinigen Entscheidungsbefugnisse. Das Ergebnis ist ein Kompromiss. Beispiel: Die Einnahmen eines Konzertes im Jugendzentrum werden bei einer Vollversammlung gemeinsam verplant. Das letzte Wort haben die MitarbeiterInnen.

Stufe 7: Teilweise Übertragung von Entscheidungskompetenz

Ein Teilbereich wird in der inhaltlichen Ausgestaltung vollkommen an Jugendliche abgegeben. Die Verantwortung für die Maßnahme liegt jedoch in den Händen der MitarbeiterInnen. Beispiel: Ein Jugendlicher erhält Raum und Mittel, um einen dreitägigen DJ- Workshop zu organisieren.

Stufe 8: Entscheidungsmacht

Die Jugendlichen bestimmen alle wesentlichen Aspekte einer Maßnahme selbst. Die MitarbeiterInnen sind an wesentlichen Entscheidungen als gleichberechtigte PartnerInnen beteiligt, spielen jedoch keine bestimmende, sondern eine begleitende oder unterstützende Rolle. Beipiel: Jugendliche erhalten die Schlüsselgewalt über die Einrichtung, um dort eine selbstorganisierte Geburtstagsparty zu feiern. Sie verpflichten sich, vorher festgelegte Regeln einzuhalten und am nächsten Tag das Jugendzentrum wie vereinbahrt zu übergeben.

Stufe 9: Selbstorganisation

Die letzte Stufe des Modells geht über die Partizipation hinaus. Sie umfasst alle Formen selbst organisierter Maßnahmen, die nicht unbedingt als Folge einer Initiative von MitarbeiterInnen zu sehen sind, sondern von Anfang an von jungen Menschen selbst initiiert werden. Beispiel: Jugendliche, die im Jugendzentrum immer gerne an Tanzangeboten teilgenommen haben, gründen außerhalb des Jugendzentrumskontextes eine eigene Gruppe.

Die MitarbeiterInnen greifen allein oder mit Jugendlichen zusammen einzelne Aspekte aus dem Alltag heraus und besprechen, inwiefern Jugendliche diese mitgestalten oder bestimmen können. Entsprechend erfolgt eine Einordnung nach dem Stufenmodel nach Wright et al.. Ist dies für möglichst viele Bereiche geschehen, kann die Qualität der Partizipation, die die Einrichtung jungen Menschen ermöglicht, sehr gut eingeschätzt werden.

Erfahrungen:
Dieses Stufenmodell ist nützlich, wenn man wissen möchte, ob die Nichtwahrnehmung von Partizipation im Alltäglichen liegt oder ob der Grad von Partizipation Fehleinschätzungen unterliegt. Es ist möglich unterschiedliche Gruppen und Angebote / Aktionen / Planungen / Anschaffungen / Haushalt einzeln unter dem Aspekt Partizipation zu betrachten.