Alltagspartizipation im Jugendzentrum

Zeitumfang:
kontinuierlich, hoch

Material:
unterschiedlich

Beschreibung:
Alltagspartizipation meint die Beteiligung von Jugendlichen in Entscheidungen rund um den Alltag des Jugendzentrums. Partizipationsprozesse nehmen einen alltäglichen Charakter an.

Haben die MitarbeiterInnen relevante Themen der Jugendlcihen erkannt, setzen sie gezielt Impulse, um diese gemeinsam mit den Jugendlichen aufzugreifen. Diese Impulse können zunächst sehr niedrigschwellig sein, z.B. einzelne Kommentare, provozierende Handlungen oder Ähnliches. Je nach Interesse lassen sich diese Einstreuungen dann zu kleineren und größeren Aktionen, wie Ausflügen, Gestaltung von Wänden u.ä., Neuanschaffungen bis hin zu komplexen Initiativen, Kampagnen oder Projekten ausbauen.

Damit dies in der Praxis funktioniert, sollte ein Jugendzentrum die Kommunikation zwischen MitarbeiterInnen und BesucherInnen möglichst vielfältig begünstigen und herausfordern. Kommunikation verläuft dabei nicht ausschließlich verbal. Nicht immer ist es die Gesprächsebene, auf der sich Jugendliche ausdrücken können und wollen.

Die Einrichtungen versuchen daher einen allgegenwärtigen Umgang mit Mitbestimmung zu kultivieren. Sie nutzen Türen, Wände, Treppenaufgänge und Zierbalken als schwarzes Brett und zur Visualisierung verschiedenster Sachverhalte. Sie installieren anonyme Kommunikationswege wie Briefkästen oder Aushänge und Listen um Abstimmungen zuzulassen, Positionierungen und Stimmabgaben zu sammeln oder Fragen an die Jugendlichen zu stellen. Abstimmungsergebnisse und aktuelle Hausthemen werden in verschiedenster Art dargestellt und gut sichtbar in den Einrichtungen positioniert.

Abstimmung Farbe

Beispiel für einen Aushang zur Stimmabgabe in Quierschied

Erfahrungen:
Leider gibt es hier keine Patentrezepte oder strikte Vorgehensweisen. Partizipation erfordert viel Kreativität, Einfühlungsvermögen und Spontanität. Die Themen der Jugendlichen sind oftmals schnelllebig und wenig konstant. Sie sollten daher zeitnah und spontan aufgegriffen  werden. Nicht selten sind diese Prozesse von schnellem Umdenken und Improvisation gekennzeichnet. Ebenso hilft es, die Erwartungen anfangs möglichst gering zu halten und Art und Umfang von Initiativen und Projekten immer der Situation und der momentanen Motivation der Jugendlichen anzupassen. Das Interesse an scheinbar elementaren Themen kann abrupt abbrechen, ebenso wie scheinbar banale Dinge unglaubliches Engagement wecken können.

Es hat sich bewährt, den Grundgedanken der Mitbestimmung kontinuierlich aufrecht zu erhalten und immer wieder in Erinnerung zu rufen, unabhängig von einzelnen Themen oder den Interessen der MitarbeiterInnen. Dabei gilt es auch Rückschläge und Phasen des Desinteresses und der Beschwerden auszuhalten. Es hat sich unterm Strich gezeigt, dass die Jugendlichen insgesamt Mitbestimmung durchaus annehmen und ein Gefühl für ihre Rechte entwickeln. Ein allgemeines Partizipationsklima ist ein sehr produktives Lernfeld für Jugendliche, in dem sie oft ungeahnte Talente entdecken und viel Engagement zeigen.

Verschiedenste Methoden, die sich für die Alltagspartizipation im Jugendzentrum eignen, finden sich hier.